Winterklettern in Schottland ist vielleicht der ultimative Test für jede Ausrüstung. Nachdem er die Nordwand des Ben Nevis mehrfach bestiegen hat, teilt #TeamMontane-Mitglied Aaron Tregallis hier seine jüngste Besteigung und erklärt, warum es ihn immer wieder dorthin zurückzieht…
Ein Überblick über das schottische Winterklettern
Ich hatte das Glück, überall auf der Welt klettern zu dürfen, aber der Ben Nevis ist immer noch der Mittelpunkt meines Universums.
Man sagt, das erste Mal vergisst man nie. Ich bin mir nicht sicher, worauf sich der ursprüngliche Autor bei dieser Aussage bezogen haben mag, aber ich kann mir vorstellen, dass es darum ging, die Nordwand von The Ben, wie Kletterer ihn nennen, zu sehen. Sie ist riesig und sehr einschüchternd. Es ist einer jener Orte, an denen die Geschichte so präsent ist, dass ihre schiere Last einen fast erdrückt – vielleicht sogar noch mehr, wenn man den Berg besser kennt: Hier eine Route von Smith und Marshall, dort eine Linie von Haston und drüben die modernen Mixed-Testpieces von MacLeod und Boswell.
Diese rauen Bedingungen bieten einen hervorragenden Ort, um Ausrüstung zu testen. Die schottischen Winterkletterbedingungen sind derart hart, dass jede Schwäche, jeder noch so kleine Makel fast sofort zum Vorschein kommt. Man muss seiner Ausrüstung vertrauen können. Sie muss einfach funktionieren. Sie wird durch Kamine geschleift, von Wind, Regen und Schnee malträtiert, von Steigeisen durchlöchert, von Eisschrauben durchstoßen und gelegentlich sogar in einer Route fallengelassen. Was ich über die Jahre bei der Verwendung von Montane-Ausrüstung festgestellt habe, ist nicht nur, dass ich ihr vertrauen kann, sondern dass sie zudem unglaublich langlebig, leicht und vielseitig ist.
Die Charles Inglis Clark Mountain Hut
Die Charles Inglis Clark (C.I.C) Hut ist wohl die einzige Hütte im alpinen Stil in Großbritannien. Sie liegt direkt unterhalb der Nordwand. Obwohl die Eingangstür talwärts in Richtung Fort William zeigt, richten sich alle Blicke nach oben, vorbei an ihr, zum North-East Buttress, zur Orion Face, zum Tower Ridge, zum Comb und zum Carn Dearg.
Ich habe es geschafft, einen Schlafplatz in der Hütte zu bekommen, was im Winter keine kleine Leistung ist. Wie schon bei so vielen Klettertouren zuvor, ist mein Partner „The Engineer“. Als sich am Morgen die Tür der C.I.C.-Hütte öffnet, spüre ich sofort den eisigen Hauch der schottischen Luft auf meinen Wangen. Er erinnert mich daran, dass ich zu Hause bin. Es ist dunkel, aber das ist es immer, wenn man früh am Morgen zu einer schottischen Winterklettertour am Ben aufbricht.

Klettern am Ben
Bereits voll ausgerüstet und mit meinen am Gurt klimpernden Hexes, die wie Kuhglocken klingen, trete ich nach draußen. Während der Wind um die Hütte peitscht, machen wir uns schweigend im Licht unserer Stirnlampen auf den Weg zu unserer gewählten Kletterroute.
Dieser Winter war besonders herausfordernd – nicht nur beim Klettern, sondern auch hinsichtlich der Bedingungen. Die üblichen Frost-Tau-Zyklen, die eine gute Schnee- und Eisbildung ermöglichen, sind ausgeblieben und wurden stattdessen durch viele heftige Schneefälle und anschließendes ausgiebiges Tauwetter ersetzt. Die Pfeiler mögen zwar schwarz sein, aber in den Entwässerungsrinnen befindet sich noch einiges an Eis, also machten wir uns mit dem Gedanken an gefrorene Rinnen auf den Weg den Berg hinauf.
Langsam erhellt sich der Himmel. Die Stirnlampen werden ausgeschaltet. Zusätzliche Kleidungsschichten werden zugezogen. Steigeisen klicken an den Stiefeln fest, und schon bald nähern wir uns unserer Route.
Wir haben das Kar vorerst für uns allein, unser kleiner Bereich an diesem komplexen Berg. Nachdem wir die ersten Seillängen solo geklettert sind, finden wir einen einzelnen Schlaghaken im Fels und beschließen, dass dies unser erster Standplatz wird. Die Seile kommen aus den Rucksäcken, und kurz darauf steige ich vor. Eisgeräte finden Halt im Eis. Eisschrauben beißen zu und bieten ein Gefühl von Sicherheit in einer immer vertikaleren Welt. Ich lächle. Dieses Abenteuergefühl ist es, das mich antreibt, diese wilden Klippen im Winter zu erleben.
Ich hole The Engineer zu meinem Standplatz nach, der ein ähnliches Lächeln im Gesicht hat. Er stärkt sich mit Pork Pies; das Maß für einen guten Tag ist, wie viele dieser Fleischpasteten er gegessen hat. Eine 6-Pie-Tour ist ein legendärer Tag, und an diesem Standplatz verspeist er die erste Pastete des Tages. Es ist selten, einen Kletterpartner zu finden, der sich gleichermaßen von den Begriffen „Abenteuer“, „dünnes Eis“ und „steiles Klettern“ inspirieren lässt, und ich habe das Glück, dass The Engineer nicht nur so empfindet, sondern auch gerade erst von einer Eiskletterreise aus den Alpen zurückgekehrt ist. Er ist unser Ass im Ärmel, bereit für alles, was auf uns zukommt. Mit einem kurzen Blick auf den nächsten steilen Abschnitt nimmt er sich noch eine weitere Pastete, bevor er loslegt.
Die Menge an Eis, die in der Rinne herunterprasselt, sagt mir, dass The Engineer gut vorankommt. Kurze Zeit später straffen sich die Seile, was mir signalisiert, dass er am nächsten Standplatz sicher ist. Ich freue mich, mich wieder zu bewegen, da der Wind aufgefrischt hat und die Temperaturen noch weiter gesunken sind. Zwei Pasteten sind bereits verdrückt und die Seillängen beginnen nun ineinander überzugehen.
Wir wechseln uns im Vorstieg ab, und unglaublich, aber wahr: Eine dritte Pastete folgt kurz nach einer weiteren steilen Passage. Es beginnt sich wie ein richtig guter Tag anzufühlen. Ein paar weitere Seillängen in fast senkrechtem Eis vergehen wie im Flug, geprägt von schwingenden Eisgeräten und tretenden Steigeisen, bis wir an einem Standplatz stehen und das Ziel in greifbarer Nähe ist.
Die Wächte, die bedrohlich über der Route aufragt, ist das letzte Unbekannte. Von unserem Standplatz aus können wir nicht sicher sagen, ob sie passierbar ist, also gönnt sich The Engineer vorsichtshalber eine vierte Pastete. Meistens sind die Wächten am Ben in den Wintern riesig, doch ich war erleichtert, als ich aus der Rinne herauskletterte und sah, dass sie nur mäßig groß war.
Gipfel am Ben
Ich fand schon immer, dass eine der Eigenheiten des Winterkletterns darin liegt, wie schnell man von der vertikalen in die horizontale Welt wechselt. Mit ein paar kräftigen Zügen und einigen gezielten Fluchworten ziehe ich mich durch die Mitte der überhängenden Wächte und finde mich auf dem Gipfelplateau des Ben im herrlichsten goldenen Licht wieder. Wir sind den ganzen Tag im Nebel geklettert, doch nun haben sich die Wolken aufgelöst und wir können die schneebedeckten Mamores und Grey Corries sehen, die sich bis zum Horizont erstrecken.
Nachdem wir uns gratuliert und die Ausrüstung verstaut haben, bemerke ich, wie The Engineer sich eine fünfte Pastete stibitzt, während ich auf dem Gipfel eine Tasse Tee trinke, bevor wir unseren Abstieg in die untergehende Sonne antreten.
Der Tag endete so, wie er begann: mit Stirnlampen, die uns den Weg leuchteten – diesmal zurück zur Hütte, wo heißes Essen und ein Dram warteten. Die Mischung aus Lächeln und weit blickenden Augen, die uns bei unserer Ankunft begrüßt, verrät uns, dass auch andere heute das gefunden haben, wonach sie gesucht haben. Nach dem Abendessen wärmen wir uns vor dem Kamin und ich hole das Führerbuch hervor:
„Was klettern wir morgen?“, fragt The Engineer.
„Das kommt darauf an. Wie viele Pork Pies hast du noch übrig?“, antworte ich.
„Oh, ich habe mindestens noch sechs dabei“, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Später, eingekuschelt in meinen Schlafsack, schlafe ich mit einem Lächeln ein. Das sind die Tage, für die ich lebe, und morgen wird es wieder so einen geben.
Der Ben Nevis ist zweifellos ein erstklassiger Kletterspot, und diese Klippen sind wie eine Kathedrale, in der viele von uns ihre Religion praktizieren. Da ich schon überall auf der Welt geklettert bin, weiß ich, dass ich immer wieder hierher zurückkehren werde, angezogen von eisigen Linien und steilen Mixed-Routen. Er wird immer der Mittelpunkt meines Universums sein.

Dieser Artikel wurde von #TeamMontane-Bergsteiger Aaron Tregallis verfasst. Möchtest du dich selbst an der Nordwand des Ben Nevis versuchen? Entdecke die Montane-Ausrüstung, die dich in den Bergen optimal schützt.