Schottland besticht durch eine riesige Auswahl an epischen, schroffen Landschaften – der ultimative Spielplatz für Abenteurer! Für Wanderer (und Läufer) bietet es einige der besten Berggipfel Großbritanniens sowie die Gelegenheit zum sogenannten Munro Bagging.
Mit 282 Munros, die es zu „baggen“ (besteigen) gilt, ist diese einzigartige schottische Herausforderung keine einfache Aufgabe! Dennoch ist es für normale Wanderer durchaus möglich, sich an einen Munro zu wagen und sogar das Ziel zu verfolgen, sie alle zu bezwingen.
Wer sich unsicher ist, wo er anfangen soll (oder auf der Suche nach Wanderinspiration für diesen Sommer ist), wer könnte da besser helfen als die erfahrene Munro-Baggerin Bee Leask? Lies weiter, um zu erfahren, woher das Munro-Bagging stammt, und entdecke ihre Empfehlungen für Munros, die man einfach ausprobieren muss…
Wir stellen vor: Bee
Mein Name ist Bee Leask und ich bin eine Shetländerin, die auf dem schottischen Festland lebt. Ich habe erst etwas später als die meisten anderen zum Outdoor-Sport und zu den Munros gefunden, wahrscheinlich weil es auf den Shetlandinseln keine Munros gibt. Obwohl ich mich daran erinnere, als Kind durch Glencoe gefahren zu sein, wurde mir erst mit Ende 20 bewusst, dass ich diese Berge tatsächlich besteigen konnte – und dieser Moment hat mich völlig umgehauen.

Meinen ersten Munro habe ich vor fast 10 Jahren während eines Campingausflugs auf der Isle of Mull bestiegen. Der Ben More wird von eingefleischten „Munro-Baggern“ oft für den letzten Aufstieg aufgespart. Davon hatte ich damals aber noch nie gehört, geschweige denn gedacht, dass ich so etwas erreichen könnte. Ich bestieg den Ben More und dachte ehrlich gesagt nicht weiter darüber nach, bis ich ein Jahr später ein paar weitere Munros in Angriff nahm und sich die Dinge von da an irgendwie verselbstständigten. Ich hatte nie geplant, alle Munros zu besteigen, aber das Erklimmen der schottischen Berge hat meine Leidenschaft für Schottland und das Draußensein geweckt. Es hat mir Selbstvertrauen gegeben und mich ermutigt, neue Dinge auszuprobieren – von Biwaks am Gipfel bis hin zum Winterbergsteigen, Klettern und Berglaufen. Es ist meine erste große Liebe und das, was mir wahres Glück und Zufriedenheit schenkt, egal was im wirklichen Leben gerade passiert. Ich weiß, wenn ich auf einem schottischen Berg stehe, bin ich zutiefst dankbar und ganz im Hier und Jetzt.

Was ist Munro Bagging?
Munro Bagging ist die Aktivität, alle 282 schottischen Berge mit einer Höhe von über 3000 Fuß (914 Meter) zu besteigen. Die Liste wurde erstmals von Sir Hugh Munro erstellt, der ursprünglich 283 Gipfel als „Munros“ und 255 weitere Gipfel als „Munro Tops“ identifizierte. Die Liste wurde im Journal des Scottish Mountaineering Club (SMC) veröffentlicht. Seitdem wurde sie mehrfach überarbeitet und umfasst heute 282 Munros und 226 Munro Tops.
Munro Bagging führt dich an einige absolut spektakuläre und manchmal entlegene Orte in Schottland. Wenn du das Glück hast, den Gipfel aller 282 Munros zu erreichen, darfst du dich „Completist“ oder „Munroist“ nennen. Ganz wie du willst! Aktuell haben 7392 Menschen alle Munros „komplettiert“. Fun Fact: Ich kenne die Person Nummer 7392 und habe sie Anfang dieses Jahres bei ihrem letzten Munro, dem Slioch, begleitet.

Gleouraich & Spidean Mialach | Ca. 12 km Strecke und 1130 Höhenmeter | Am besten für winterliche Sonnenuntergänge
Die 24 km lange Fahrt über die einspurige Straße zum Loch Quoich ist der Ausgangspunkt der Wanderung. Wenn du denkst, die Fahrt dorthin sei atemberaubend, dann warte erst, bis du die Aussicht von den Gipfeln siehst. Die Wanderung führt dich zuerst auf den Gipfel des Spidean Mialach mit Blick zurück auf den See, bevor es hinunter zum Bealach und wieder hinauf zum höheren Gipfel des Gleouraich geht. Auf dem Weg bieten sich fantastische Ausblicke auf den South Glen Shiel Ridge, Kintail und Knoydart. Der wahre Höhepunkt kommt jedoch auf dem Rückweg, wenn du über den Loch Quoich hinweg auf den Sgùrr na Ciche blickst, einen der markantesten Munros.
Wenn du das richtige Timing hast und einen Winter-Sonnenuntergang erwischst, wirst du das fantastische Leuchten sehen, während die Sonne hinter der Halbinsel Knoydart versinkt. Diese Hügel sind zu Beginn zwar etwas moorastig, aber wenn du auf einen guten Wintertag wartest, können die Bedingungen perfekt sein.

Die Five Sisters of Kintail (Sgùrr na Ciste Duibhe, Sgùrr na Càrnach & Sgùrr Fhuaran) | Ca. 15 km Strecke und 1385 Höhenmeter | Am besten für atemberaubende Grate und Kletterpassagen
Kintail wird oft nur als Durchgangsstraße nach Skye betrachtet, ist aber einer meiner Lieblingsorte zum Wandern, Laufen oder Bergsteigen in Schottland. Es gibt dort den South Glen Shiel Ridge – 8 Munros an einem Tag, perfekt für Munro-Bagger, aber es gibt auch einzelne Munros für einen etwas entspannteren Tag. Außerdem gibt es die Five Sisters of Kintail, eine atemberaubende lineare Route über 5 Gipfel (3 Munros) mit spaßigen Kletterstellen, schmalen Graten und einer fantastischen Aussicht.
Der Startpunkt der Wanderung ist auch der Ausgangspunkt der „3 Brothers“, einer anderen Gratlinie, die von West nach Ost verläuft – wir gehen jedoch von Ost nach West. Es beginnt mit einem fast senkrechten und manchmal moorastigen Aufstieg zum Bealach, aber hier beginnt der Spaß, denn nun folgen Kletterpartien und schmale Grate. Großartig, wenn du etwas Ausgesetztheit magst, eher weniger, wenn du Plateaus bevorzugst. Der Grat weist viele Höhenunterschiede und steile Abfälle zwischen den Gipfeln auf, aber die Aussicht wird dich definitiv ablenken. Der letzte Gipfel führt dich hinunter in Richtung Morvich mit tollem Blick auf den Loch Duich. Deponiere am Zielpunkt ein Fahrrad für deinen Rückweg oder sorge dafür, dass dich jemand abholt, sonst ist es ein langer Fußweg zurück entlang einer viel befahrenen Straße.

Beinn Alligin (Sgùrr Mòr und Tom na Gruagaich) | Ca. 10,5 km Strecke und 1190 Höhenmeter | Am besten für ausgesetzte Kletterstellen, Gipfel-Biwaks und Sonnenaufgänge
Der Beinn Alligin war der Halbzeitpunkt meiner Munros, also war es nur logisch, zur Feier dort ein Biwak am Gipfel aufzuschlagen. Der Aufstieg durch die Schlucht zum Gipfel des Tom na Gruagaich ist steil und mühsam, aber der Blick auf den Sgùrr Mòr und die „Horns of Alligin“ lässt einen das schnell vergessen. Auf dem Plateau am Gipfel gibt es viele Stellen zum Zelten, von denen aus man morgens einen traumhaften Blick auf den Sonnenaufgang über dem Grat hat.
Der Abstieg zum Bealach ist steil und ein wenig kletterig, was mit einem großen Rucksack etwas kniffliger wird. Danach folgt ein weiterer steiler Anstieg zum Sgùrr Mòr. Achte darauf, auf dem Weg nach oben die Eag Dubh nicht zu verpassen – eine beeindruckende Schlucht am Berghang. Man mag es kaum glauben, aber die Besteigung der 2 Munro-Gipfel ist nicht einmal der beste Teil des Tages, besonders wenn du gerne kletterst, denn jetzt darfst du über die „Horns“ (Hörner) klettern. Das macht großen Spaß und bietet jede Menge Ausgesetztheit. Es gibt einen Umgehungspfad, falls du das vermeiden möchtest, oder du gehst den Weg zurück, den du gekommen bist. Ich empfehle jedoch dringend die komplette Route, wenn du schwindelfrei bist und gerne kletterst.
Ich hatte so viel Spaß, dass ich ein paar Monate später wiederkam, um alles noch einmal ohne den schweren Rucksack zu machen. Nach dem letzten Horn geht es steil hinunter auf einen tollen Pfad, der dich zurück zum Start führt. Wenn du dich besonders energiegeladen fühlst, gibt es entlang des Abhainn Coire Mhic wunderbare kleine Becken, perfekt für ein kurzes Bad, bevor es zurück zum Auto geht.

Beinn a’Ghlò (Càrn Liath, Braigh Coire Chruinn-bhalgain und Càrn nan Gabhar) | Ca. 22 km Strecke und 1239 Höhenmeter | Am besten für Berglauf-Einsteiger
Ich liebe diese Route. Es war einer der ersten Bergtage, an denen ich beschlossen habe, zu wandern/laufen – oder wie ich es nenne: „zu flitzen“. Diese im Cairngorms-Nationalpark gelegenen Berge sind fantastisch, wenn du gerade erst mit dem Berglauf anfängst und keine verrückte Ausgesetztheit willst, die dich abschreckt oder ausbremst.
Der Start ist ein toller Weg, bevor man auf ein etwas moorastiges Stück abbiegt, gefolgt von einem steilen Aufstieg zum ersten Gipfel des Tages, dem Càrn Liath. Es gibt einen super Pfad, der das Vorankommen leicht macht. Der Grat zum zweiten Gipfel des Tages ist perfekt, um deine Berglauf-Fähigkeiten zu testen. Tolle Aussicht, ein herrlicher breiter Grat und 2 weitere Munros vor dir. Am Bealach angekommen wird es wieder etwas steiler, aber nach einer so schönen Abfahrt ist es fast schön, wieder bergauf zu laufen. Es dauert nicht lange, bis man den Braigh Coire Chruinn-bhalgain, den Gipfel Nummer 2 des Tages, erreicht hat. Der Weg zum Càrn nan Gabhar ist etwas langsamer, da es felsiger ist, aber die Aussicht unterwegs ist fantastisch.
Der Abstieg führt zurück zum Bealach und dann auf einen schönen Weg, gefolgt von einem 5-km-Lauf zurück zum Ausgangspunkt. Ich habe mich für den Weg über den Airgiod Bheinn entschieden, einen Munro-Top; der Abstieg war steiler und felsiger, daher war ich sehr froh über den Kiesweg auf dem Rückweg.

Ben Lomond | Ca. 12 km Strecke und 990 Höhenmeter | Am besten für Anfänger
Der südlichste Munro und einer der beliebtesten ist der Ben Lomond, den jedes Jahr über 30.000 Menschen besteigen. Aufgrund seiner atemberaubenden Lage, der tollen Aussicht und der Erreichbarkeit durch eine kurze Fahrt vom „Central Belt“ aus ist es leicht zu verstehen, warum dieser Munro so populär ist.
Wenn du in Rowardennan parkst (denke daran, die Parkgebühr zu bezahlen), ist der Pfad zum Gipfel des Ben Lomond ausgeschildert und führt dich direkt zum Beginn der Wanderung. Die gebräuchlichste Route ist als „Touristen-Route“ bekannt und hat einen klaren Pfad bis direkt zum Gipfel. Der Blick von oben reicht über den Loch Lomond bis zu den Arrochar Alps, was dir reichlich Ideen für deinen nächsten Munro-Bagging-Ausflug liefern wird.
Wenn du dich etwas abenteuerlustiger fühlst, begib dich in Richtung des Ptarmigan-Grates. Das ist ein felsigerer, steilerer Rückweg, aber mit der atemberaubenden Aussicht auf den Loch Lomond ist es kein Wunder, dass viele Leute diesen Abstieg wählen.

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